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Abends in Jerusalem: unsere Band spielt in der Fußgängerzone, davor eine große Menschenmenge

Ein Projekt gegen Antisemitismus – seit 2014

Israel, We Stand With You

Menschen tanzen. Sie weinen. Sie lachen. Sie singen. Und Freundschaften entstehen.

Seit 2014 fahren wir nach Israel, stellen unsere Instrumente in den Fußgängerzonen auf und singen hebräische Lieder. Als Deutsche. Nicht, um etwas zu bekommen – sondern um Freundschaften zu bauen und zu sagen: Wir stehen zu euch.

Warum wir das tun


Antisemitismus wächst.
Wir stellen uns dagegen.

Nicht nur in Europa, sondern weltweit nimmt der Judenhass wieder zu – offen, hörbar, auf der Straße. Dagegen kann man Erklärungen schreiben. Man kann sich aber auch neben die Menschen stellen, um die es geht.

Wir haben uns für das Zweite entschieden. Ein Statement gegen Antisemitismus wiegt schwerer, wenn Deutsche es aussprechen – das haben uns seit 2014 unzählige Menschen gesagt. Manche haben uns erzählt, wir seien die ersten Deutschen, denen sie je begegnet sind. Und dann haben sie geweint.

Mein Vater war der Einzige, der überlebt hat. Alle anderen aus der Familie wurden von den Nazis ermordet. Lange habe ich gesagt: Mein Vater ist der größte Sieg über die Nazis. Aber heute, wo ich diese Musiker sehe, sie und wir zusammen, sage ich: Das ist der größte Sieg über die Nazis.
Rabbi Yoseph Rosenfeld, Vorsitzender des ultraorthodoxen Schabbat-Rats

Was wir tun


Musik, Postkarten – und vor allem Zuhören

Es begann im Mai 2014. Marcus stand mit seiner Frau Karolina an der Klagemauer und fragte sich: Wie können wir diesem Volk dienen – und in diesen schweren Tagen sein Vertrauen auf den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs stärken? Wenige Monate später standen wir mit Instrumenten, batteriebetriebenen Verstärkern und einem Stapel handbeschriebener Postkarten in der Jerusalemer Ben-Jehuda-Straße. Sie ist bis heute unser Lieblingsplatz – gespielt haben wir seitdem auch in Tel Aviv, Haifa, Aschkelon und Tiberias. Und dabei tausende Batterien verbraucht.

Blick von hinter der Band über den Teppich auf die Zuhörer, dahinter die nächtliche Straße mit Lichterketten
Blick von den Instrumenten über unsere Musiker auf Zuhörer und Familien in der Fußgängerzone
  1. Lieder auf Hebräisch

    Wir singen Psalmen in der Sprache des Landes, mit eigenen Melodien: „Adonai ro’i, lo echsar“ – der HERR ist mein Hirte. Oder Psalm 121: „Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.“ Angefangen haben wir ohne ein Wort Hebräisch: Die Texte haben wir uns von Rabbinern auf YouTube abgehört, Wort für Wort. Inzwischen lernen einige aus dem Team die Sprache richtig.

  2. Eine Trommel statt eines Huts

    Wo Straßenmusiker sonst einen Hut für Münzen hinstellen, steht bei uns eine Trommel mit Postkarten. Mehr als 30.000 handgeschriebene Karten haben wir so verteilt, jedes Jahr in einem neuen Design. „Häng sie an den Kühlschrank“, sagen wir dazu, „und denk jedes Mal daran, dass in Europa Menschen an eurer Seite stehen.“ Manche erzählen uns, sie hätten schon drei davon hängen. Wenn jemand Geld in die Trommel legt, geben wir es zurück: Wir sind nicht gekommen, um zu nehmen.

  3. Zuhören

    Das Wichtigste passiert, wenn die Instrumente wieder eingepackt sind. Menschen bleiben stehen und erzählen. Aus vielen dieser Begegnungen sind über die Jahre Freundschaften geworden – mit säkularen, orthodoxen und ultraorthodoxen Juden, mit Arabern. Nach dem 7. Oktober haben wir vor allem eines getan: telefoniert und zugehört.

Und seit 2025: leere Karten

Zwischen den beschriebenen Postkarten liegen inzwischen auch leere. Wer möchte, nimmt sich eine und schreibt darauf, was ihm auf dem Herzen liegt – eine Frage, einen Gedanken, auch einen Vorwurf. Wir versprechen dazu nur eines: Es wird gelesen. Von Deutschen, von Europäern.

Die beschriebenen Karten nehmen wir mit nach Hause. Wir zeigen sie bei Veranstaltungen und in Ausstellungen, nach Themen geordnet – Verantwortung, Schmerz, Sehnsucht nach Frieden. Damit die Sätze hier ankommen, wo sie hingehören.

Blick von oben auf den Teppich in der Fußgängerzone: Menschen sitzen im Kreis und schreiben Postkarten, in der Mitte der Aufsteller „A message from a Jew to a German“
Abends auf dem Gehweg: ein junger Mann mit Kippa und eine junge Frau schreiben nebeneinander ihre Karten

Allein im ersten Jahr kamen rund 200 persönliche Botschaften mit zurück nach Deutschland.

Vorderseite der Karte: „A message from a Jew to a German“, darunter derselbe Satz auf Hebräisch
Handbeschriebene Karte aus Jerusalem: Dank für die Unterstützung und eine Einladung, wiederzukommen
Von einem Kind beschriebene Karte mit Herz und bunten Strichen
„Vielen Dank – von einem jüdischen Kind in Israel, das einfach nur in Frieden leben möchte.“
Besucher stehen vor der Ausstellung in Deutschland und lesen die aus Israel mitgebrachten Karten
Die Karten hängen an Drähten zwischen zwei Stellwänden, geordnet nach Themen wie „Verantwortung als Deutsche & Holocaust“ und „Sehnsucht nach Frieden“

Und manchmal wird es still

Zwischen zwei Liedern erzählt Marcus in der Ben-Jehuda-Straße manchmal diese Geschichte:

Meine Frau und ich waren fünf Jahre verheiratet. Zwei Ärzte hatten uns gesagt, dass wir wahrscheinlich nie Kinder bekommen würden. Nach einer unserer ersten Reisen hierher kamen wir nach Hause – und meine Frau war schwanger. Unsere Tochter heißt Anna.

Danach singen wir Psalm 113: „Der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt, dass sie eine fröhliche Kindermutter wird.“ In einem Land, in dem Kinder alles bedeuten, braucht es dann keine Erklärung mehr. Meistens applaudiert jemand. Einmal rief einer „Halleluja“, ein anderer „God bless you“.

Ich glaube, dass wir gesegnet werden, wenn wir Israel segnen. Ich habe das selbst erlebt.Marcus Ahrend

Eingeladen


Und dann steht man plötzlich
in ihrem Wohnzimmer

Es passiert auf jeder Reise: Jemand bleibt auf der Straße stehen, hört zu, kommt ins Gespräch – und lädt uns nach Hause ein. In Wohnungen, an lange Tische, in die Laubhütte im Hof.

Wir sitzen dann stundenlang zusammen. Bei säkularen Familien und bei ultraorthodoxen, bei Menschen, die vorher noch nie mit Deutschen an einem Tisch saßen. Es wird gegessen, gefragt, erzählt, gelacht.

Das sind die Stunden, in denen aus einer Begegnung eine Freundschaft wird. Viele davon halten inzwischen über Jahre.

Abend im Garten: wir spielen mit Gitarre und Keyboard hinter dem gedeckten Tisch
Gruppenbild vor den Laubhütten – unser Team zusammen mit ultraorthodoxen Gastgebern
Gesprächsrunde unseres Teams mit einer Gastgeberin an einem großen Tisch

Über die Straße hinaus


Was in Jerusalem beginnt,
hört dort nicht auf

Menschen mitnehmen

Meist sind wir zehn bis vierzehn Leute. Etwa die Hälfte von uns macht Musik. Die andere Hälfte steht daneben und redet – mit Passanten, die stehen bleiben, die Fragen haben, die wissen wollen, warum ausgerechnet Deutsche hier stehen und auf Hebräisch singen.

Man muss kein Musiker sein, um mitzukommen. Das Gespräch auf dem Gehweg ist genauso wichtig wie das Lied.

Und alle, die einmal dabei waren, kommen verändert zurück. Das Bild, das man sich aus der Ferne von diesem Land macht, hält der Begegnung nicht stand.

Zu Hause davon erzählen

Was wir in Israel erleben, bringen wir mit zurück. Wir halten Vorträge – mal mit Musik, mal als Erzählabend, mal im Gespräch oder Interview. Und wir machen Workshops.

Wir erzählen davon vor Christen, vor Nichtchristen – und vor jüdischen Zuhörern. Vor allen dreien dieselbe Geschichte.

Denn was wir auf der Straße in Jerusalem sagen, sagen wir auch hier: an unseren Arbeitsplätzen, in unseren Orten, vor Menschen, die noch nie einem Juden begegnet sind.

Eindrücke


Jahr für Jahr, Straße für Straße

Meist in Jerusalem, oft rund um das Laubhüttenfest, manchmal auch in Tel Aviv, Haifa, Aschkelon oder Tiberias. Menschen bleiben stehen, Kinder tanzen, jemand fängt an mitzusingen.

Wer wir sind


Menschen mit ganz normalen Jobs,
die ihren Urlaub dafür nehmen

Wir kommen aus verschiedenen Teilen Deutschlands, jung und alt, manche seit der ersten Reise dabei, andere zum ersten Mal. Ausgangspunkt ist Altenkirchen im Westerwald – dort ist Friends of Jesus zu Hause, die christliche Gemeinde, aus der das Projekt entstanden ist. Daher kennen wir uns, und daher kommt auch die Musik. Für die Reisen nehmen wir Urlaub und tragen die Kosten zum größten Teil selbst.

Es ist ein deutsches Projekt. Wenn wir als Deutsche in Jerusalem stehen und sagen „Wir stehen an eurer Seite“, trägt das aufgrund unserer Geschichte ein besonderes Gewicht. Mitgefahren sind aber auch Freunde aus England, den Niederlanden, der Ukraine und Polen.

Der 7. Oktober 2023


An diesem Morgen
waren wir da

Wir hatten eine Woche lang auf der Straße gespielt und sollten am 7. Oktober zurückfliegen. Früh am Morgen weckte uns ein Anruf: eine Freundin, die wir Jahre zuvor auf der Straße kennengelernt hatten. „Seid ihr in Sicherheit? Bleibt in Sicherheit.“

Jeder ist irgendwie betroffen. Das Land ist so klein, jeder kennt irgendjemanden.
Wir haben mit einer Mutter telefoniert, die tagelang nicht geschlafen und nicht gegessen hatte. Eine Viertelstunde, eine halbe, dann anderthalb Stunden. Geholfen hat einfach nur das Zuhören.

Die Tage danach

Wir waren in Jerusalem, rund 100 Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt. Der Rückflug wurde gestrichen. Wir saßen fest. Und wir sind in diesen Tagen noch einmal auf die Straße gegangen und haben gespielt – für die wenigen Menschen, die noch unterwegs waren. Dabei entstanden sehr tiefe Begegnungen. Vorher waren die Straßen voller Familien, Kinder, Tanzen, Lachen. Jetzt waren sie leer.

Sechs von uns im menschenleeren Markt von Jerusalem, die Läden heruntergelassen, daneben unser Banner

25 Stunden auf See

Nach mehreren Tagen erfuhren wir von einem schwedischen Segelschiff, das in Akko lag. Wir fuhren nachts los, setzten mit einem Schlauchboot über und erreichten Zypern nach 25 Stunden auf See.

Das schwedische Segelschiff nachts vor Akko, vom Schlauchboot aus in der Ferne gesehen
Blick über das Deck des Segelschiffs während der Überfahrt, ein Frachtschiff am Horizont

Und dann sind wir wiedergekommen.Im Februar 2024, keine vier Monate nach der Ausreise auf dem Segelschiff, kamen wir zurück. Seit 2014 fahren wir jedes Jahr nach Israel – und auch nach dem 7. Oktober haben wir damit nicht aufgehört. Dieselbe Straße, dieselben Lieder.

Nach dem 7. Oktober hätte man wegbleiben können. Genau das wäre das falsche Zeichen gewesen.

Vier Musiker unserer Gruppe im Februar 2024 vor einer Wand mit den Porträts der Geiseln

Was dieser Tag hinterließ

Bei dieser Rückkehr fuhren wir in den Süden des Landes. Zerstörte Häuser, ausgebrannte Fahrzeuge, Erinnerungsorte für die Ermordeten – dort wurde sichtbar, was hinter den Nachrichten und Zahlen steht. Jeder Name gehört zu einem Menschen, zu einer Familie, zu Freunden.

Ein beim Massaker vom 7. Oktober ausgebranntes und zerstörtes Wohnhaus im Süden Israels
Erinnerungsort für die beim Nova-Festival Ermordeten mit Porträts, Blumen und israelischen Flaggen

Zum Ansehen


Sieh selbst, was auf der Straße passiert

Zwei unserer Lieder als Musikvideos – und ein Beitrag aus dem deutschen Fernsehen über das Projekt.

Mit dem Klick lädt das Video von YouTube. Dabei werden Daten an Google übertragen.

Zur Auswahl:

Mehr Videos auf unserem YouTube-Kanal

Häufige Fragen


Was uns oft gefragt wird

Seid ihr Profimusiker?

Nein. Die meisten von uns machen seit vielen Jahren Musik, aber niemand lebt davon. Zu Hause haben wir ganz normale Jobs und Familien – die Reisen finden im Urlaub statt.

Seit wann kommt ihr nach Israel?

Seit 2014, jedes Jahr. Inzwischen sind wir teilweise mehrmals im Jahr dort.

Schreibt ihr die Postkarten selbst?

Ja, jede einzelne. Zusammen mit vielen Freunden in Deutschland schreiben wir jedes Jahr 2.000 bis 4.000 Karten von Hand. Deshalb ist jede Karte einzigartig.

Bringt ihr eure Instrumente jedes Mal mit?

Ja. Instrumente, Verstärker, die handbeschriebenen Postkarten und einiges an Proviant fliegen mit. Inzwischen haben wir in Israel aber auch ein kleines Lager, in dem ein Teil der Ausrüstung bleiben kann.

Ist das ein politisches Projekt?

Nein. Wir vertreten keine Partei und keine politische Position zum Nahostkonflikt. Uns geht es um Menschen: um Begegnung, um Ermutigung und um ein klares Nein zum Antisemitismus.

Wer bezahlt das?

Wir selbst, zum größten Teil. Wir nehmen dafür Urlaub. Auf der Straße in Israel nehmen wir kein Geld an – dort sind wir nicht, um etwas zu holen.

Können wir euch einladen?

Ja, gerne. Das kann ein Vortrag sein, ein Abend mit Musik und Erzählungen, ein Gespräch oder ein Workshop – was zu eurer Gruppe passt. Wir sind bei christlichen und nichtchristlichen Zuhörern zu Gast und ebenso bei jüdischen. Schreib uns, dann finden wir das passende Format.

Was kostet es, euch einzuladen?

Nichts. Wir stellen kein Honorar in Rechnung. Wer möchte, kann etwas für das Projekt spenden – nötig ist es nicht.

Kann ich mitkommen? Ich bin kein Musiker.

Das musst du auch nicht sein. Etwa die Hälfte von uns macht auf der Straße keine Musik, sondern redet mit den Menschen, die stehen bleiben und Fragen haben. Wir fahren mindestens einmal im Jahr, meist im Herbst, manchmal auch öfter, und nehmen immer wieder neue Leute mit. Feste Termine stehen hier bewusst nicht – schreib uns, dann sagen wir dir, wann die nächste Reise ansteht.

Mach mit


Jede Begegnung zählt

Antisemitismus wird nicht durch Schweigen kleiner. Wenn du das Projekt unterstützen, uns einladen oder einmal mitkommen willst – schreib uns.

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